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Sonderveranstaltungen im Wintersemester 2026/27

Semestereröffnungsvortrag 
09.10.2026 20:00 Uhr
Friederike Gurschler
„Ich will eine bunte Mama“

Das „Replacement Child“- aus einer Behandlung von
einem zu Behandlungsbeginn 5-jährigen Mädchen, das
auch mit einer Schwerhörigkeit zur Welt kam.
Vortrag im Rahmen der Anerkennung zur Supervisorin

Sonderveranstaltung
21.11.2026 15:00-17:00 Uhr
Dr. Christian Rexroth

„Schulabsentismus. Ein Symptom unserer Zeit als Szene – klinisch erkennen, psychodynamisch verstehen, gesellschaftlich handeln“

Der Vortrag nimmt Schulabsentismus als verdichteten Ausdruck kindlicher und jugendlicher Entwicklungs-psychopathologie und als Spiegel gesellschaftlicher Entwicklungen ernst. Ausgangspunkt sind klinische Beobachtungen, in denen sich Schulvermeidung nicht als „Unlust“ oder „Erziehungsproblem“, sondern als psychische Notlage zeigt, die sich in der Szene von Schule, Familie und Peers inszeniert. Differenziert werden verschiedene Erscheinungsformen und ihre jeweiligen inneren Logiken; Fallvignetten verdeutlichen die zugrundeliegenden Konflikte zwischen Trennungsangst, Scham, narzisstischer Verletzbarkeit, Strukturdefiziten und misslingender Triangulierung. Im Zentrum steht sodann eine psychoanalytische Perspektive: Schulabsentismus wird als Szene verstanden, in der Übertragung und Gegenübertragung, projektive Identifikationen und intergenerationelle Traumadynamiken sichtbar werden. Der Vortrag zeigt, wie psychoanalytisch und tiefenpsychologisch fundierte Konzepte – Containment, Mentalisierung, Triangulierung, Elternarbeit – helfen können, die Funktion des Fernbleibens zu verstehen, anstatt sie nur zu „behandeln“. Dabei werden auch Risiken iatrogener Verstärkung (z. B. durch unreflektierte Attestierung oder strukturell verfestigende Schulbegleitung) diskutiert.

Abschließend schlägt der Vortrag den Bogen zu den gesellschaftlichen und ökonomischen Implikationen: Schulabsentismus wird als „Symptom unserer Zeit“ gelesen – im Kontext von Bildungsdruck, sozialer Spaltung, Digitalisierung und Versorgungslücken. Skizziert werden Anforderungen an interdisziplinäre Kooperation sowie an eine gesundheitspolitische Agenda, die Schulabsentismus nicht nur registriert, sondern als frühes Warnsignal ernst nimmt. Ziel des Beitrags ist es, das psychoanalytische Fachpublikum für Schulabsentismus als komplexe Szene zu sensibilisieren und zur Verbindung von klinischer Differenziertheit, psychodynamischer Tiefenschärfe und gesellschaftlichem Engagement einzuladen.

Änderungen der Durchfürhrungsform von Veranstaltungen (auch eventuelle Umstellung auf Videoseminar) können kurzfistig erfolgen und werden dementsprechcend bekannt gegeben.